Montag, 6. April 2009
Vegetarisch Essen
Vor kurzem ist unser Büro vom Stary Rynek in Richtung Polski Teatr gezogen. Damit hat sich natürlich auch unsere Versorgungsstrategie grundlegend ändern müssen. Vorbei die Zeiten, in denen man zu Subways oder Kanappka gehen konnte. Auch die nötige Grundversorgung durch den kleiner Tante-Emma-Laden mit dem zauberhaften Namen "Promocija" fehlt im neuen Büro. Stattdessen gibt es hier überteuerte Tante-Emma-Läden mit Bestelltheke und einen DDR-Supermarkt. Doch auch eine vegetarische Bar ist hier gleich um die Ecke. Die probieren Martin und ich natürlich gleich aus. Als erstes essen wir Tofu-Gulasch... Ich als Fleischesser kann mich für das "Zeug" jedoch nicht so recht erwärmen. Es sieht aus wie Fleisch, schmeckt nach 200 Gewürzen und ist dabei so bissfest wie ein gekochtes Ei. Beim zweiten Mal bestelle ich mir eine Art Pfannkuchen mit Sauerkrautfüllung. Der schmeckt zwar ganz gut, hat aber Spätfolgen: Man hat danach noch stundenlang den Geschmack von Sauerkraut im Mund. Zudem gibt es bei vegetarischem Essen noch ein weiteres "Problem" - die Sättigung. Nach dem Essen kann ich mich oft kaum bewegen und denke eich muss platzen. Nach einer Stunde hab ich dann aber wieder mordsmäßigen Hunger... Aber noch ist nicht alles auf der Karte durchprobiert, vielleicht finde ich noch ein passendes Gericht. Denn prinzipiell ernähre ich mich gern vegetarisch, obwohl mir einige Sachen in der pflanzlichen Küche sehr suspekt vorkommen. Außerdem muss vegetarische Ernährung gelernt sein. "Du musst einfach schneller essen, dann schaffst du mehr bis das Sättigungsgefühl kommt und hast nicht gleich wieder Hunger.", meint Martin, als ich mit ihm sachte zum Büro zurück schleiche. Ich quitiere diesen guten Rat mit einem kleinen Sauerkraut-Rülpser und träume insgeheim von meiner Gulaschnikow-Tütensuppe.
Samstag, 21. März 2009
Rentnerspäße
Heute habe ich das Geheimnis glücklicher Rentner entdeckt: Enten füttern. Die ganze Woche hab ich mich kindisch auf Samstag gefreut. Samstag, mein freier Tag. Der Tag, an dem ich mir vorgenommen habe, Enten an der Warta zu füttern. Doch Obacht! Hier in Poznan gibt es ein strenges Reglement. Als Jugendlicher mit oder ohne Freundin muss man auf der Altstadtseite bleiben. Die Neutstadt-Seite ist für Rentner mit Hund oder Ehepaare mit Kind reserviert. Dementsprechend sieht es auf der Altstadtseite auch aus. Denn obwohl Alkohol trinken in der Öffentlichkeit verboten ist, liegen hier Hunderte kaputte Bierflaschen und Dosen. Dazu gesellen sich mehrere leere Zellofan-Tüten, Zigarettenkippen und anderer Picknick-Dreck. Schade eigentlich, denn das Ufer ist an sich sehr schön. Doch zurück zum Wesentlichen, ich bin ja nicht zum Vergnügen hier. Bewaffnet mit einem Rest Weißbrot suche ich die Wasseroberfläche ab. Zuerst vergebens, denn nach einer viertel Stunde bin ich erst eine viertel Scheibe Brot los geworden. Doch dann der Glückstreffer: An einer Stelle nahe einer Brücke tummeln sich ca. 20 Enten. Volltreffer! Doch wir sind nicht allein. Fiese Möven sind auch auf mein Brot aus. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich hab doch noch nie Enten gefüttert und jetzt auch noch unter erschwerten Bedingungen. Sei's drum. Ich nehme die Herausforderung an: den Möven keinen Krümel! Bevor ich werfe, suche ich den Augenkontakt mit der Ente. Telepatisch gehe ich mit ihr den Plan durch: "Ich täusche links an und werfe 10 cm neben dich. Hast du verstanden?" Sobald die Ente nickt, werfe ich. Jeder Wurf ist eine nervenaufreibende Zerreißprobe. Wird es die Ente schaffen oder hat die Möve meine geheime Nachricht abgefangen? Es gelingt. Lautstark beschweren sich die Möven. Doch sie ernten nuch ein hönisches Lachen/ schnattern. Da müsst ihr schon früher aufstehen um hier etwas abzubekommen ihr Loser!
Samstag, 14. März 2009
Waschtag
Das Schlimmste im Ausland ist, dass man keine Mutti mehr hat, die einem die Wäsche wäscht. Als ich einen Blick auf meinen Dreckwäscheberg und anschließend in die leere Sockenschublade werfe, beschließe ich die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Samstag ist Waschtag! Vor einiger Zeit habe ich im Internet das Café Pralnia (übersetzt "Café Reinigung") gefunden, das ich heute ausprobieren werde. Bepackt mit einer Ladung Dunklem schlendere ich die ul. Mostowa hinunter und luke vorsichtig zum Eingang des Cafés hinein. Leider oder zum Glück ist hier gar nichts los... Leider, weil ich wirklich der Allereinzige im ganzen Laden bin und zum Glück, weil ich so nicht auf eine freie Waschmaschine warten muss. In einer Ecke klimpert es. Eine junge Frau mittleren Alters stürmt auf mich zu und beginnt einen Redeschwall Polnisch auf mich los zu lassen. "Angielski?", frage ich zögerlich. Sie verneint. Doch irgendwie werden wir schon klar kommen. Ich stopfe meine Sachen in eine freie Trommel und den Rest erledigt die Kellnerin/ Waschfrau für mich. Nun heißt es warten. Während meine Wäsche umhergewirbelt wird, schlürfe ich einen Cappuchino und schmökere Dan Brown's "Digital Frotress" (Diabolous). Nach ca. 10 Minuten merke ich, dass es in dem Laden arschkalt ist und mummel mich wieder in meine Strickjacke ein. Von Zeit zu Zeit springt ein Lüfter mit ohrenbetäubenden Getöse an. Scheinbar soll er davor schützen, dass durch den nicht vorhandenen Wasserdampf das Haus wegschimmelt. Soetwas macht natürlich die ganze Café-Gemütlichkeit kaputt. Nach einer Weile ist der Cappu leer und ich sehne mich nach einer heißen Schokolade und etwas essbaren. Ich begebe mich zur Bar und stelle meine leere Tasse auf den Tresen. Die Kellnerin steht mit dem Rücken zu mir und spritz unentwegt Schokocreme in mehrere kleine Waffelbecher. Manchmal will sich die Creme nicht so wirklich vom Spritzbeutel lösen und sie hilft mit dem Finger nach, den sie anschließend ableckt. Schlagartrig vergeht mir der Appetit und ich schleiche mich zu meinem Tisch zurück. Die Waschmaschine ist fertig und nun dreht die Wäsche ein paar Runden im Trockner. Ich lese weiter und nippe ab und zu zögerlich an meiner heißen Schokolade. Das hatte ich nämlich vergessen: Heiße Schokolade ist in Polen dickflüssig/ puddingartig und Pudding mag ich nicht. Die Kellnerin schaut des öfteren nach, wie es bei der Trocknung voran geht. Beim 4. Mal hält sie mir mein Hemd hin. Ich schnappe mir ein Bügeleisen und lege los. Dann wieder lesen und Schoki "trinken". Schließlich hat sich der Rest meiner Kleidung auch dazu entschieden, trocken zu sein. Nachdem ich meine Socken fein säuberlich zusammengelegt und in meiner Sporttasche verstaut habe freue ich mich wie ein kleiner Schneekönig wenn's schneit. Eine einzelne Socke ist übrig geblieben - ich bin schon ein richtiger Waschprofi.
Montag, 9. März 2009
Die Jagd nach der afrikanischen Postkarte
"Ich würde dir gern eine Postkarte aus Südafrika schicken. Wie ist denn deine polnische Adresse?", fragte mich Eva über meinen Instant Messenger. Schon damals haben wir beide uns einen Spaß draus gemacht, ob die Karte wohl ankommen wird. Heute, ca. einen Monat später, ist sie immernoch nicht da und mir fällt es wie Schuppen von den Augen: ich hab vergessen Eva auch meine Wohnungsnummer zu geben. Denn hier ist man beim Postboten nur eine schnöde Ziffer. Um die Postkarte dennoch zu bekommen, beschließe ich im Postamt um die Ecke mal nachzufragen. Die junge Frau auf der anderen Seite der Theke spricht zum Glück Englisch, aber kann mir leider nicht weiterhelfen. Sie schickt mich stattdessen zu einer anderen Filiale am Rynek. Die Postangestellte dort spricht leider weder Englisch noch Deutsch, sodass wir eine Kundin als Dollmetscher benötigen. Keine 2 Minuten später steht eine blonde Frau mittleren Alters neben mit und übersetzt meine Worte ins Polnische. "Sie sagt, da werden Sie wohl kein Glück haben. Briefe kann man nachverfolgen, aber Postkarten..." Dennoch gibt sie mir die Adresse von Hauptpostamt in Poznan und rät mir, es dort noch einmal zu versuchen. Unser Gespräch hat die blonde Frau so durcheinander gebracht, dass sie ohne Briefmarken zu kaufen noch vor mir die Post verlässt. Erst an der Ecke fällt ihr wieder ein, dass sie nicht nur zum Übersetzen in die Post gegangen ist. Zurück im Büro frage ich Beata ob sie mir für mein Vorsprechen beim Poznans Biggest Postoffice ein paar Sätze aufschreiben kann. Samstag ist es dann soweit. Ich stürme das größte Postamt, das Poznan zu bieten hat, und wieder kann ich mich mit der Postangestellten auf keine mir bekannte Sprache einigen. Doch das hatte ich erwartet. Stolz zücke ich meinen Zettel und reiche ihn ihr durchs Fenster. Sie ist wirklich sehr bemüht mir zu helfen und nach einer viertel Stunde hat sie für mich ein Date mit meinem Postboten klar gemacht. Vielleicht kann er mir weiter helfen. Montag morgen starte ich also einen neuen Versuch. Eine der Kolleginnen vom Samstag ist heute auch wieder da. Nach kurzer Nachfrage beim Postboten steht fest: die Postkarte wird mich wohl leider nie erreichen. Etwas geknickt ziehe ich von Dannen. Aber die nächste Postkarte ist schon so gut wie unterwegs. Linda fliegt bald nach Tunesien und hat sogar meine Wohnungsnummer.
Sonntag, 8. März 2009
Die Befreiung des Geldes
Gedanken zum Thema virtuelle Güter
Geld wurde als Tauschmittel für Waren erfunden. Statt Fisch gegen Kartoffeln zu Tauschen, tauschte man einfach Fisch gegen Geld und Geld gegen Kartoffeln. Der Vorteil dabei ist, dass Geld kein Verfallsdatum hat und dass man unabhängig von der Tauschware wurde. Mochte der Verkäufer keinen Fisch, ist es für den Käufer dennoch möglich bei ihm Kartoffeln zu erstehen. Geld hatte also von Anfang an immer einen konkreten Gegenwert. Das ist bis heute so. Die Bundesbank gibt nur so viel Münzen und Scheine aus, wie sie Edelmetalle im Tresor hat sonst droht eine Inflation oder ein Deflation des Zahlungsmittels. Bei virtuellen Gütern erhält man gedoch nichts Materielles. Im Gegenteil, denn selbst ein Besitzanspruch ist bei virtuellen Gütern ausgeschlossen. Hat man sich also in einer virtuellen Welt gegen echtes Geld ein nettes Häuschen gekauft, kann man seinen Anspruch darauf nirgendwo geltend machen. Schlimmer noch, nimmt der Anbieter sein Produkt vom Markt, ist man nicht nur das Häuschen sondern auch sein Geld für immer los.
Jeder Mensch lernt, dass teure Sachen oft nicht ohne Grund teurer sind. Oftmals sind sie seltener oder aufwendiger herzustellen als die billigere Konkurenz. Orchideen beispielsweise benötigen zum Wachsen ein ganz bestimmtes Klima. Deshalb sind sie im allgemeinen auch teurer als Löwenzahn. Bei virtuellen Gütern hingegen kann der Preis willkürlich festgelegt werden. Rein technisch gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen einem Bild mit Tulpen und einem mit Gänseblümchen. Beide bestehen aus der gleichen Anzahl von Pixeln. Hier bezahlt der Käufer also nicht für die Ware, sondern für die Assoziation mit einem bestimmten Preis. Denn nur wer weiß, dass das Tulpenbild 5 Euro und das Gänseblümchenbild 1 Euro kostet, erkennt auch den Wert dieses virtuellen Gutes. Technisch gesehen besteht jedoch kein Grund für eine Preisunterschied.
Der Sportmodekonzern Nike war eines der Unternehmen, die ihre Produkte auch in der Onlinewelt Secondlife anboten. Natürlich wurde diese Ware nur virtuell verkauft und der Kunde hat nie auch nur ein T-Shirt zugeschickt bekommen. Stattdessen konnte man seiner Spielfigur mehr Lifestyle gönnen, indem man sie nun mit Nike-Turnschuhen durch die 3D-Welt laufen lässt. Gezahlt wurde in der Spielgeldwährung Linden-$, die jedoch in der "echten" Welt einen realen Tauschkurs besaß. Das Ziel von Nike war es also nicht nur die Popularität der Marke durch geschicktes Online-Marketing zu erhöhen, sondern konkret Umsätze mit virtuellen Gütern zu erzielen. Nach ein paar Monaten verwaiste der Nike-Shop jedoch, da die erhofften Gewinne ausblieben.
Als zusätzliche Einnahmequelle bieten Spielehersteller oft Erweiterungen für ihre Bestseller an. Kennt man alle Fragen bei Trivial Persiute in und auswendig, kann man den Spielspaß durch einen neuen Satz Fragen wiederbeleben. Ähnliche Konzepte verwenden auch die Hersteller von Computerspielen. Mit sogenannten Add-Ons kann man auch hier die bestehende Spiele erweitern. Die Simulation "Die Sims" kann man z.B. mit ein paar neuen Urlaubsgebieten aufpeppen. Beide Konzepte haben gemeinsam, dass man ein bestehendes Spiel durch eine Neuerung aufwertet. Bei diversen Online-Spielen ist das jedoch anders. Im Facebook-Spiel "Falschparken" zahlt man beispielsweise nicht für die Erweiterung der virtuellen Welt oder eine andere Innovation, sondern für weitere Spielautos, die man fortan verwenden kann. Technisch gesehen ist der Gegenwert nichts weiter, als die Erhöhung einer Variablen um die Anzahl der gekauften Autos. Ein Anbieter halt also mit diesem Konzept weder einen höheren Aufwand noch benötigt der Spieler spürbar mehr Ressourcen auf dem Anbieterserver.
Viele Dinge kann man heute problemlos online kaufen. Fahrscheine für die Deutsche Bahn drucken heute viele Kunden selbst aus oder brennen die bei Musicload gekaufte Musik selbst auf CD. Der Unterschied zu ihren offline gekauften Pendants ist: die online gekauften Waren müssen zum Teil vom Kunden selbst produziert werden. Doch der Vorteil dabei liegt auf der Hand: es geht schneller und ist unabhängig vom Aufenthaltsort des Kunden. Bei anderen virtuellen Gütern funktioniert das Ganze nicht so einfach. Eine virtuelle Schachtel Pralinen kann der Kunde nicht so leicht in vollwertiges Naschwerk werwandeln.
In seinem Roman "Snow Crash" beschreibt Neal Stephenson bereits 1992 eine dem Secondlife sehr ähnliche 3D-Simulation namens "Metaversum". Hier zählen allein die Fähigkeiten des Nutzers und soziale Grenzen sind gänzlich aufgehoben. Eine ganz ähnliche Entwicklung zeigt das heutige Internet. In Blogs, Foren oder im Chat ist es egal, ob die Person am anderen Ende der Leitung in einer Villa oder einer Sozialwohnung vor dem Rechner sitzt. Lediglich was sie sagt und wie sie handelt ist von Bedeutung. Darum werden sich gekaufte virtuelle Prestigeobjekte im Internet nur schwer durchsetzen, ja vielleicht sogar lächerlich wirken. Stephenson beschreibt dies mit der typischen "Brandy", einer gekauften weiblichen Spielfigur (Avatar), die nur Menschen verwenden, die unfähig sind sich eine eigene Figur zu erstellen.
Geld wurde als Tauschmittel für Waren erfunden. Statt Fisch gegen Kartoffeln zu Tauschen, tauschte man einfach Fisch gegen Geld und Geld gegen Kartoffeln. Der Vorteil dabei ist, dass Geld kein Verfallsdatum hat und dass man unabhängig von der Tauschware wurde. Mochte der Verkäufer keinen Fisch, ist es für den Käufer dennoch möglich bei ihm Kartoffeln zu erstehen. Geld hatte also von Anfang an immer einen konkreten Gegenwert. Das ist bis heute so. Die Bundesbank gibt nur so viel Münzen und Scheine aus, wie sie Edelmetalle im Tresor hat sonst droht eine Inflation oder ein Deflation des Zahlungsmittels. Bei virtuellen Gütern erhält man gedoch nichts Materielles. Im Gegenteil, denn selbst ein Besitzanspruch ist bei virtuellen Gütern ausgeschlossen. Hat man sich also in einer virtuellen Welt gegen echtes Geld ein nettes Häuschen gekauft, kann man seinen Anspruch darauf nirgendwo geltend machen. Schlimmer noch, nimmt der Anbieter sein Produkt vom Markt, ist man nicht nur das Häuschen sondern auch sein Geld für immer los.
Jeder Mensch lernt, dass teure Sachen oft nicht ohne Grund teurer sind. Oftmals sind sie seltener oder aufwendiger herzustellen als die billigere Konkurenz. Orchideen beispielsweise benötigen zum Wachsen ein ganz bestimmtes Klima. Deshalb sind sie im allgemeinen auch teurer als Löwenzahn. Bei virtuellen Gütern hingegen kann der Preis willkürlich festgelegt werden. Rein technisch gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen einem Bild mit Tulpen und einem mit Gänseblümchen. Beide bestehen aus der gleichen Anzahl von Pixeln. Hier bezahlt der Käufer also nicht für die Ware, sondern für die Assoziation mit einem bestimmten Preis. Denn nur wer weiß, dass das Tulpenbild 5 Euro und das Gänseblümchenbild 1 Euro kostet, erkennt auch den Wert dieses virtuellen Gutes. Technisch gesehen besteht jedoch kein Grund für eine Preisunterschied.
Der Sportmodekonzern Nike war eines der Unternehmen, die ihre Produkte auch in der Onlinewelt Secondlife anboten. Natürlich wurde diese Ware nur virtuell verkauft und der Kunde hat nie auch nur ein T-Shirt zugeschickt bekommen. Stattdessen konnte man seiner Spielfigur mehr Lifestyle gönnen, indem man sie nun mit Nike-Turnschuhen durch die 3D-Welt laufen lässt. Gezahlt wurde in der Spielgeldwährung Linden-$, die jedoch in der "echten" Welt einen realen Tauschkurs besaß. Das Ziel von Nike war es also nicht nur die Popularität der Marke durch geschicktes Online-Marketing zu erhöhen, sondern konkret Umsätze mit virtuellen Gütern zu erzielen. Nach ein paar Monaten verwaiste der Nike-Shop jedoch, da die erhofften Gewinne ausblieben.
Als zusätzliche Einnahmequelle bieten Spielehersteller oft Erweiterungen für ihre Bestseller an. Kennt man alle Fragen bei Trivial Persiute in und auswendig, kann man den Spielspaß durch einen neuen Satz Fragen wiederbeleben. Ähnliche Konzepte verwenden auch die Hersteller von Computerspielen. Mit sogenannten Add-Ons kann man auch hier die bestehende Spiele erweitern. Die Simulation "Die Sims" kann man z.B. mit ein paar neuen Urlaubsgebieten aufpeppen. Beide Konzepte haben gemeinsam, dass man ein bestehendes Spiel durch eine Neuerung aufwertet. Bei diversen Online-Spielen ist das jedoch anders. Im Facebook-Spiel "Falschparken" zahlt man beispielsweise nicht für die Erweiterung der virtuellen Welt oder eine andere Innovation, sondern für weitere Spielautos, die man fortan verwenden kann. Technisch gesehen ist der Gegenwert nichts weiter, als die Erhöhung einer Variablen um die Anzahl der gekauften Autos. Ein Anbieter halt also mit diesem Konzept weder einen höheren Aufwand noch benötigt der Spieler spürbar mehr Ressourcen auf dem Anbieterserver.
Viele Dinge kann man heute problemlos online kaufen. Fahrscheine für die Deutsche Bahn drucken heute viele Kunden selbst aus oder brennen die bei Musicload gekaufte Musik selbst auf CD. Der Unterschied zu ihren offline gekauften Pendants ist: die online gekauften Waren müssen zum Teil vom Kunden selbst produziert werden. Doch der Vorteil dabei liegt auf der Hand: es geht schneller und ist unabhängig vom Aufenthaltsort des Kunden. Bei anderen virtuellen Gütern funktioniert das Ganze nicht so einfach. Eine virtuelle Schachtel Pralinen kann der Kunde nicht so leicht in vollwertiges Naschwerk werwandeln.
In seinem Roman "Snow Crash" beschreibt Neal Stephenson bereits 1992 eine dem Secondlife sehr ähnliche 3D-Simulation namens "Metaversum". Hier zählen allein die Fähigkeiten des Nutzers und soziale Grenzen sind gänzlich aufgehoben. Eine ganz ähnliche Entwicklung zeigt das heutige Internet. In Blogs, Foren oder im Chat ist es egal, ob die Person am anderen Ende der Leitung in einer Villa oder einer Sozialwohnung vor dem Rechner sitzt. Lediglich was sie sagt und wie sie handelt ist von Bedeutung. Darum werden sich gekaufte virtuelle Prestigeobjekte im Internet nur schwer durchsetzen, ja vielleicht sogar lächerlich wirken. Stephenson beschreibt dies mit der typischen "Brandy", einer gekauften weiblichen Spielfigur (Avatar), die nur Menschen verwenden, die unfähig sind sich eine eigene Figur zu erstellen.
Montag, 2. März 2009
Wer sind denn diese Leute?
In diesem Post möchte ich die Verwirrung, wer denn nun wer ist, etwas aufklären und Martins Kritik "Wir kommen in deinem Blog immer so böse rüber" Tribut zollen. Denn eigentlich sind das ja ganz nette Menschen...
Martin... kenne ich seit ca. einem Jahr durch unsere gemeinsame Zeit bei YOUNI. Schon am ersten Tag hatte ich das Gefühl, dass dieser Kerl anders ist, als die Menschen, die ich bisher kennengelernt habe. Vielleicht ist es "die Vereinigung sämtlicher bekannter Randgruppen in einer Person", wie Ingo es mal treffend beschrieben hat, die diesen Dresdner Internetfreak so interessant macht. Privat kann man sich mit ihm stundenlang über neue Geschäftsmodelle streiten oder (was eher nicht so mein Fall ist) Computerspiele mit ihm zocken.
Kurzprofil: Diplom-Wirtschaftsingeneur, Vegetarier, trinkt keinen Alkohol, hört Hip-Hop, sieht gern Sitcoms
Alex... kenne ich erst seit Polen. Er arbeitet seit knapp 2 Jahren in Poznan und das Projekt ist quasi auf seinem Mist gewachsen. Wenn Alex sagt, dass er hundemüde ist und ins Bett möchte, meint er eigentlich, dass er heute Nacht noch 4 wissenschaftliche Paper lesen will und jetzt Lust auf eine runde Autorennen hätte. Privat kann man sich mit Alex sehr gut unterhalten. Er hasst oberflächliche Gespräche übers Wetter und fragt stattdessen lieber die polnische Mitreisende im Zugabteil aus. Durch seine fröhlich-quirlige Art nimmt ihm das auch nie jemand übel.
Kurzprofil: Diplom-Volkswirt, Fleischfresser (auf Diät), trinkt keinen Alkohol, hört und macht Heavy-Metal, sieht gern Anime
Ingo... hab ich bei meiner zweiten Polenreise kennen gelernt. Er ist zum Team gestoßen, weil er fast die gleiche Projekt-Idee gehabt hat. Nun bringt er seine Ideen in das bestehende Projekt ein und wurde zu seinem Leidwesen dazu genötigt, die Seite ansprechend zu gestalten. Seinen Lebensunterhalt verdient Ingo eigentlich als Foto-Verkäufer auf shotshop.com, einer Bildagentur aus Berlin. Nach Feierabend ist Ingo oft der Einzige (außer mir natürlich), der nicht gegen ein kleines Feierabendbierchen und einen Schwenk duch die Gassen von Poznan hätte.
Kurzprofil: Diplom-Designer, Vegetarier, trinkt Alkohol, hört... (Musik?), sieht gern Science-Fiction
Ich... beschreibe mich ungern selbst selbst, das überlass ich lieber anderen. Darum nur das...
Kurzprofil: Abiturient mit Hochschulerfahrung, Fleischfresser, trinkt Alkohol, hört elektronische Musik, sieht gern Dokus
Martin... kenne ich seit ca. einem Jahr durch unsere gemeinsame Zeit bei YOUNI. Schon am ersten Tag hatte ich das Gefühl, dass dieser Kerl anders ist, als die Menschen, die ich bisher kennengelernt habe. Vielleicht ist es "die Vereinigung sämtlicher bekannter Randgruppen in einer Person", wie Ingo es mal treffend beschrieben hat, die diesen Dresdner Internetfreak so interessant macht. Privat kann man sich mit ihm stundenlang über neue Geschäftsmodelle streiten oder (was eher nicht so mein Fall ist) Computerspiele mit ihm zocken.
Kurzprofil: Diplom-Wirtschaftsingeneur, Vegetarier, trinkt keinen Alkohol, hört Hip-Hop, sieht gern Sitcoms
Alex... kenne ich erst seit Polen. Er arbeitet seit knapp 2 Jahren in Poznan und das Projekt ist quasi auf seinem Mist gewachsen. Wenn Alex sagt, dass er hundemüde ist und ins Bett möchte, meint er eigentlich, dass er heute Nacht noch 4 wissenschaftliche Paper lesen will und jetzt Lust auf eine runde Autorennen hätte. Privat kann man sich mit Alex sehr gut unterhalten. Er hasst oberflächliche Gespräche übers Wetter und fragt stattdessen lieber die polnische Mitreisende im Zugabteil aus. Durch seine fröhlich-quirlige Art nimmt ihm das auch nie jemand übel.
Kurzprofil: Diplom-Volkswirt, Fleischfresser (auf Diät), trinkt keinen Alkohol, hört und macht Heavy-Metal, sieht gern Anime
Ingo... hab ich bei meiner zweiten Polenreise kennen gelernt. Er ist zum Team gestoßen, weil er fast die gleiche Projekt-Idee gehabt hat. Nun bringt er seine Ideen in das bestehende Projekt ein und wurde zu seinem Leidwesen dazu genötigt, die Seite ansprechend zu gestalten. Seinen Lebensunterhalt verdient Ingo eigentlich als Foto-Verkäufer auf shotshop.com, einer Bildagentur aus Berlin. Nach Feierabend ist Ingo oft der Einzige (außer mir natürlich), der nicht gegen ein kleines Feierabendbierchen und einen Schwenk duch die Gassen von Poznan hätte.
Kurzprofil: Diplom-Designer, Vegetarier, trinkt Alkohol, hört... (Musik?), sieht gern Science-Fiction
Ich... beschreibe mich ungern selbst selbst, das überlass ich lieber anderen. Darum nur das...
Kurzprofil: Abiturient mit Hochschulerfahrung, Fleischfresser, trinkt Alkohol, hört elektronische Musik, sieht gern Dokus
Donnerstag, 26. Februar 2009
Brüste in 3D
Unsere Einzugsparty steht noch aus. Ich wohne seit dem 20. November in meiner Wohnung und bisher haben wir noch keinen Einzug gefeiert. Es wäre zwar ohnehin ein Reinfall geworden. Wir hätten zusammen Fencheltee getrunken und polnisches Radio gehört. Aber es geht um's Prinzip. Eine Wohnung braucht ein gemeinschaftsbildendes Erlebnis. Darum hab ich mir vorgenommen, etwas zu finden, was jedem gefallen könnte. "Wie wäre es mit Kino? Hier läuft zur Zeit ein 3D-Horrorfilm." Ingo ist sofort dabei, Martin gibt zwar kein Feedback ist aber zu 2/3 überzeugt, nur Alex schiebt seine Müdigkeit vor. Er sei fix und fertig und werde heute zeitig ins Bett gehen. Kein Wunder, musste er doch gestern auch meinen Feldzug gegen die kleinen bunten Autos über sich ergehen lassen. Na gut, dann wird das heute wieder kein gemeinschaftsbildendes Erlebnis, aber immerhin ist es für uns übrigen drei eine willkommene Ablenkung. Doch an diesem Abend prallen mal wieder meine Spießerwelt und die modernere von Martin und Ingo aufeinander. Die beiden beschließen ihr Abendbrot im Kino einzunehmen. Ein Sandwich von Subways natürlich. Mir gefällt das überhaupt nicht, zumal ich mir scheinbar mehr Gedanken mache, wegen diesem Schnittchen aus dem Kino zu fliegen, als die beiden anderen zusammen. Doch es war alles halb so wild, Jacke drüber und keiner sieht oder riecht ewas von dem mitgebrachten Essen. Hab ich mir mal wieder umsonst ins Hemd geschissen. Der Film beginnt, wir setzen die 3D-Brillen auf und schon geht's weiter. Wir drei sind alle Brillenträger, doch Martins Brille scheint nicht vollständig entspiegelt zu sein. Er sieht seine eigenen Augen statt dem Film. Als er dann noch in sein Sub (so heißen die Schnittchen bei Subways) beißen will, beginnen beide Brillen natürlich auch noch zu rutschen, sodass er nahezu den ganzen Anfang des Filmes verpasst. In etwa der Mitte des Filmes unterhalten sich Martin und Ingo darüber, dass gewisse Teile des Filmes so aussehen, wie die Zwischensequenzen in den Computerspielen aus den späten Neunzigern. Ich bin angepisst, beschließe aber das Ganze nicht noch durch eine Diskussion übers Quatschen im Kino zu verschlimmern. Stattdessen setzte ich mich zwei Plätze weiter. Nach dem Film freuen sich die beiden bis spät in die Nacht, dass es in dem Film eine Szene gab, in der eine nackte Frau etwa 5-10 Minuten durchs Bild spazierte und schließlich doch noch von dem mysteriösen Mörder umgebracht wurde. Ich halte das für übertrieben. Denn sind wir mal ehrlich, sogar die heutige Klostein-Werbung ist härter als ein Softporno, da sind die 5 Minuten nackte Möpse nun wirklich nicht mehr erwähnenswert. Zumal beide dank ihrer Freundinnen jederzeit Zugriff auf echte nackte 3D-Brüste hätten.
Mittwoch, 25. Februar 2009
Bunte Autos
"Das ist doch die blanke Volksverdummung!", werfe ich Martin an den Kopf, "Wie kann ein normaler Mensch auch nur auf die Idee kommen, für so einen Humbug Geld auszugeben." Martin lacht mich aus. Er findet es immer wieder witzig, wie ich mich über Kleinigkeiten, die mich nicht einmal betreffen, derart aufregen kann. Fünf Minuten vorher hat er mir sein neues Facebook-App gezeigt. Ein Spiel mit dem tollen Namen "Falschparken". Dabei bekommt jeder Spieler 3-4 Autos in bestimmten Farben, die er in einer virtuellen Stadt parken kann. Zusätzlich bekommt er noch eine Hand voll Parkplätze, für die er Pargebühren verlangen kann. Je länger ein Auto auf einem Parkplatz steht, desto mehr Spielgeld bekommt der Spieler gutgeschrieben. Doch Obacht! Jeder Spieler kann für seine eigenen Parkplätze auch Strafzettel ausstellen, wenn ein Auto mit der falschen Farbe darauf steht. Je später er das tut, desto größer ist das Risiko, dass der andere Spieler seinen Wagen umparkt und er den Strafzettel nicht ausstellen kann. Darum bekommt er auch mehr Spielgeld, je später er den Strafzettel aufklebt. Dass ich dieses Spiel an sich schon hirnrissig finde, brauch ich an dieser Stelle nicht zu erwähnen. Aber selbst Mau-Mau und Schach ist bei Lichte betrachtet völlig sinnfrei. Darum akzeptiere ich das Falschparkerspiel. Worum es mir geht, ist der Fakt, dass man sich gegen geringfügige Beträge echten Geldes neue Autos und Parkplätze kaufen kann. Es will mir einfach nicht in den Kopf, warum ein "normaler" Mensch Geld für einen Haufen Pixel hinblättert. Aber es gibt Leute die soetwas machen. "Das sind nicht mal wenige. Schau die doch mal die Studenten an, die jedes Wochenende 50 Euro auf PokerStars.de verzocken.", erklärt mir Martin. "Die sind für mich auch bekloppt in ihrer Birne! Aber bei weitem nicht so bescheuert, wie die Leute, die sich 16x16 Pixel große Autos kaufen, damit sie sie umparken können...", gebe ich zurück. Martin zieht einen Vergleich zu Markenprodukten, gekauften mp3-Dateien, Premiummitgliedschaften bei Last.fm und jede Menge weiterer guter Argumente gegen meinen Standpunkt zu Felde. Es ärgert mich, dass mir in diesem Moment keine passenden Gegenargumente einfallen und ich zweifle an meiner Einschätzung. Wir diskutieren noch bis spät in die Nacht, doch mein Standpunkt bleibt: Menschen, die sich mit echtem Geld virtuelle Immobilien, Autos und Toaster kaufen, haben einfach zu viel Geld, zu viel Langeweile oder zu wenig Verstand. Auf die nächste Diskussion dieser Art werde ich mich besser vorbereiten.
Die Entdeckung des Subways
Es klang wie eine Offenbarung in den Ohren von Martin und Ingo, als ihnen Sascha von dem neuen Subways erzählt. Es befindet sich genau gegenüber unserem Bürogebäude, auf der anderen Straßenseite. Gleich zum Mittag wollen wir den Schuppen ausprobieren. Ich halte ja eigentlich nichts von den teuren Schnittchen, aber da der Zloty sehr gut steht (fast 1:5) und die Subwaypreise zudem noch billiger als in Deutschland sind, gehe ich natürlich mit. Unentschlossen studieren wir die Speisekarte. "Vegetariana" steht in großen Lettern über der Theke. Für unsere beiden Vegetarier schon die zweite Offenbarung an ein und dem selben Tag. Als das Personal sie dann auch noch in Englisch anspricht, sind die beiden hin und weg. Als Deutscher etwas vegetarisches in der Posener Altstadt zu bekommen, grenzt für sie fast schon an ein Wunder. "Langsam find ich's hier immer besser." merkt Martin an, als er seelig sein Sandwich verdrückt.
Dienstag, 24. Februar 2009
Karmi
Kurz nach 23 Uhr ist Feierabend. Zumindest für einen Teil von uns, denn Alex der Unersättliche hängt noch immer über seinem Notebook und baut Präsentationen, Excel-Tabellen und Word-Dokumente. Da Martin sich noch etwas zu trinken kaufen will, beschließe ich diese Gelegenheit zu nutzen, um etwas frische Luft zu schnappen. Außerdem fühlt sich Martin mit "Dollmetscher" im Spätschop sicherer und hat beschlossen mit mir ein Feierabendbier zu trinken. Natürlich kein richtiges Bier, sondern Karmi - ein Bier-Karamell-Mischgetränk. In meinem schönsten Sonntagspolnisch bestelle ich ein Zywiec für mich, eine Flasche Wasser und ein Karmi. Die Verkäuferin schaut mich etwas verdutzt an, die Leute in der Schlange hinter uns grinsen. Schließlich stellt die Frau dann eine Flasche Bier, ein stilles Wasser und zwei Paar weiße Nylon-Stumpfhosen auf den Tresen. Jetzt schaue ich verdutzt. Zu diesem Moment kreisen drei Gendanken im Raum: die Polen denken, dass Martin und ich unterwegs zu einer schwulen Fetischparty sind. Ich hab die Brille nicht auf und halte die Strumpfhosen für Kondome. Martin freut sich schlichtweg, dass er einen so guten Polnischexperten dabei hat. Nach gefühlten 3 Minuten versuche ich mit "nie, karmi, pivo, butelka" die Strumpfhosen doch noch gegen das süße Malzgetränk einzutauschen. Der ganze Laden lacht, aber der Versuch ist geglückt und wir verlassen das Geschäft mit 3 Getränkeflaschen. Zum Glück kennt mich hier keiner.
Freitag, 20. Februar 2009
Alice und (k)ein Ende
Am Montag hab ich mich selbst in meine WG eingeladen. Mein Zimmer ist zwar untervermietet, aber zum Kaffeetrinken bin ich noch gern gesehen. Außerdem will ich mich heute um ein Problem kümmern, dass wir seit 3 Monaten haben. Es geht um die trampelige Frau von Hansenet, die uns seit einem viertel Jahr nicht telefonieren lässt. Da ich ja in Polen war, konnte ich bisher nicht selbst an den Geräten herumspielen. Aber heute werde ich mich nochmal selbst mit dem ISDN-Anschluss beschäftigen. Ich hab schon 2-3 ISDN-Anschlüsse der Telekom selbst angeschlossen, aber bei der Alice ist wirklich der Wurm drin. In unserem Flur sieht es mittlerweile wie in der Telefonabteilung von Mediamarkt aus. Hier liegen Terminaladapter, NTBAs, ein ISDN-Telefon und 2 analoge. Aber keines dieser Bauteile kann man in keiner Kombination zum Telefonieren verwenden. Nach einer Stunde probieren und umstecken beschließe ich, die gute Alice doch mal anzurufen. "Wir haben sogar die Nummer von der Störungsannahme.", strahlt mir Melanie entgegen. Leider ist Alice nicht persönlich da, darum rede ich mit ihrem Mann. Dieser prüft die Leitung durch und erklärt mir, dass nur eines der beiden Kabel beschaltet ist. Über das andere bekäme er kein Signal. Mir wird übel. Wir hatten 3 Mal die Techniker im Haus, die sich um den Anschluss kümmern sollten und jeder hat gesagt, es liegt an uns. Außerdem sagt der nette Alice-Mann noch, dass die Störung auch in die Kunden-Datenbank eingetragen wurde, aber scheinbar eine Benachrichtigungs-SMS nicht angekommen sei. Professionell ohne Ende die Leute bei Hansenet. Statt dann wie jeder andere einen Brief zu schreiben... Egal, er schickt uns am Donnerstag einen Techniker ins Haus, der sich der Sache annehmen soll. Dieser kommt zwar mit einiger Verspätung, aber immerhin können wir telefonieren, nachdem er die Wohnung verlassen hat. Außerdem hat er auch noch das DSL ganz gelassen. Glanzleistung.
Anm.: Um unseren Alice-Anschluss hat sich jedes Mal ein Unternehmen im Auftrag der Deutschen Telekom gekümmert... eine Interpretation bleibt hier mal offen.
Anm.: Um unseren Alice-Anschluss hat sich jedes Mal ein Unternehmen im Auftrag der Deutschen Telekom gekümmert... eine Interpretation bleibt hier mal offen.
Sonntag, 15. Februar 2009
Party Dresden
Nach den ganzen "Pleiten" in Polen freue ich mich richtig auf eine Party-Nacht in Dresden. Dummerweise komm ich genau zur richtigen Zeit nach Hause: Es ist das Valentinswochenende und zudem Großdemonstation gegen Rechts inkl. Gegendemo. Verspricht spaßig zu werden. Als wir abends nach Dresden fahren, ist aber alles wieder im Lot. Es stehen einem keine Pärchen im Weg und von gewaltbereiten Demonstranten ist auch nichts mehr zu sehen. An Alkohol ist heute zwar nicht zu denken, ich bin freiwillig Fahrer, aber dennoch spricht vieles für einen super Abend in der sächsischen Hauptstadt. Marko und ich treffen uns mit ein paar Freunden (dummerweise alles Pärchen) im Metronom auf der Louisenstraße, unserer Stammkneipe. Nach ein paar Stunden Billiard und dem Austausch über die neuesten Ereignisse in meiner WG, ziehen wir weiter in die Galerie Disko. Der Mensch, der die Eintrittsgelder kassiert, schwärmt uns schon vor: "Gerade legt eine ganz coole Dame aus Prag auf, ihr seid genau richtig gekommen. Leute, heute Abend lohnt sich das hier echt." Er hatte nicht zu viel versprochen. Die Galerie war gut gefüllt, aber nicht zu voll. Musikalisch ging's auch ordentlich ab und ich weiß nicht ob es am Koffein lag (Marko und Katarina haben mich den ganzen Abend mit Premium Cola abgefüllt), aber ich war die erste Zeit nur am feiern. Ein herrliches Gefühl. Später lernte ich noch Markos neue Kumpel kennen, zwei echt verpeilte Typen. Ich bin ja schon gut in Scheiße labern, aber die beiden spielen in der Königsklasse. So kam dann auch recht schnell ein Gespräch über Autoquartett zu stande. Es ging prinzipiell darum, ob die Baumaschinen oder die Monster Trucks besser sind. Gegen 7:00 Uhr haben wir uns langsam auf den Heimweg gemacht. Katarina lag schon seit einiger Zeit auf der Couch rum und ließ sich von einem H&M-Streifenhörnchen vollquatschen, viel los war auch nicht mehr. Kurz gesagt, es war Zeit zu gehen. Als wir auf die Hauptstraße abbiegen steht auch prompt die Polizei hinter uns und ich hatte mal wieder die Papiere vergessen. Nach dem Alkoholtest durfte ich aber weiterfahren, ohne die 10 Euro Ordnungsgeld zu zahlen. Glück gehabt. Marko gings an diesem morgen noch ganz schön dreckig - seitdem er immer fahren muss ist er im Trinken ganz aus der Übung. Mir war auch ein wenig übel von den 10 Litern Cola, die ich den Abend über getrunken hatte. Insgesamt jedoch ein geiler Abend.
Freitag, 13. Februar 2009
Auf nach Hause
Heute geht's los! Ich fahre auf Heimatbesuch in das schöne Sachsenland. Mit einem leicht genervten Taxifahrer geht es aus der Altstadt zum Bahnhof. Kurz vorm Ziel fängt er wie wild an zu Hupen. "So ein Arschloch... In Polen fährt man rechts!", schreit er. Der junge Pole im Auto vor uns ist sichtlich irritiert und bleibt plötzlich mitten auf der Kreuzung stehen. Ohne zu zögern zieht unser Taxi links an ihm vorbei. "Freitag der 13." meint er in gebrochenem deutsch zu uns. Die Stimmung im Taxi ist seitdem ausgelassen. Am Bahnhof angekommen sehen wir halb Poznan im Foyer stehen. Die Menschenmassen stehen reihenweise an den Ticketschaltern Schlange und zu allem Unglück hat auch noch das ICC Reisecenter gerade wegen was auch immer geschlossen. Da Ingo sein Ticket schon hat, ist er fein raus. Alex und ich überlegen. Nach einem kurzen Blick durch das Foyer beschließt Alex: "Was soll's, ich kauf mein Ticket beim Schaffner." Ich schließe mich ihm an. Als wir auf den Bahnsteig gehen, freuen sich Ingo und Alex wie die Schneekönige: "Achtung! Gleich kommt's." Gemeint ist die deutsche Tonbandansage, die in einem missmutigen Ton verkündet, das "der Zug 5 hat". Das "Minuten" ist bei der Übersetzung scheinbar flöten gegangen. Doch kurz vor der Ansage schaltet die Anzeige plötzlich um. Keine Verspätung und auch keine Fünf. Heute geht scheinbar alles schief. Nach dem Einsteigen besetzen wir ein ganzes Abteil. Nur eine hübsche junge Polin traut sich zu uns hinein, denn eine immer wieder beteuerte Beobachtung der deutschen Kollegen besagt: "Wenn da Sitz 65 auf der Platzkarte steht, will der polnische Reisende auch unbedingt dort sitzen." So schlimm find ich diese kleine Eigenheit heute nicht. Als der Schaffner kommt, versuchen Alex und ich in gebrochenem polnisch Fahrkarten zu kaufen. Das Gespräch mit dem Kontrolleur nimmt jedoch eine apprupte Wende, denn ab dem zweiten Satz hab ich mal wieder den Faden verloren. "Er will wissen, ob ihr gemeinsam auf eine Fahrkarte fahren wollt, oder jeder für sich.", hilft uns die junge Polin. Der Kontrolleur muss die Fahrkarten nämlich von Hand ausschreiben und würde sich gern unnötige Schreiberei ersparen. Wir haben nichts dagegen. Als alles geklärt ist, fängt Alex ein Gespräch mit der Polin an. Sie komme aus Gdansk und ist auf dem Weg nach Berlin. Dort will sie Ihren Chemnitzer Freund treffen, der ihr zum Valentinstag ein Wochenende in der Hauptstadt geschenkt hat. Schade. Als kleinen Trost holt sie eine Packung "Korsaky" aus ihrer Tasche. Die Tüte, die ein kleines Männlein mit rotem Bart ziert, enthält Schokolinsen mit Kokosfüllung. Alex ist begeistert, anhand eines Fotos, dass Ingo mit seinem Handy machen muss, will er demnächst in Poznan auf die Suche nach der Leckerei gehen.
Sonntag, 8. Februar 2009
Und wieder eine Woche rum...
Schon ist wieder eine Woche rum in der nicht viel passiert ist. Auf meinem kleinen Spatziergang gestern hab ich doch noch den Waschsalon gefunden. Er befindet sich mal wieder, wie scheinbar die Hälfte aller polnischen Unternehmen, in einem Wohnhaus. Scheinbar ist es aber eine Reinigung, sodass ich meine Wäsche doch wieder zu Hause bei Mutti waschen werde...
Nachtrag: Beim Googlen hab ich grad noch was cooles gefunden. Es handelt sich um ein Cafe mit Waschsalon bzw. einen Waschsalon mit Cafe und ist auch nicht sonderlich weit von meiner Wohnung entfernt. Ich glaube ich werd mir das Cafe Pralnia mal ansehen...
Nachtrag: Beim Googlen hab ich grad noch was cooles gefunden. Es handelt sich um ein Cafe mit Waschsalon bzw. einen Waschsalon mit Cafe und ist auch nicht sonderlich weit von meiner Wohnung entfernt. Ich glaube ich werd mir das Cafe Pralnia mal ansehen...
Samstag, 7. Februar 2009
Gas bezahlen
Das tolle an meiner Wohnung ist, dass es an den Heizkörpern keine Zähler gibt. Ich bilde zusammen mit 3 anderen Haushalten eine "HG" (Heizgemeinschaft). Abgerechnet wird aller zwei Monate. Am Donnerstag war es das erste Mal soweit, Anna schrieb mir, dass ich mein Gas bei Herrn Lipszinski mit 193 Zloty bezahlen soll. Nichts leichter als das. Ich klingle bei Wohnung Nr. 3 und werde mit einem "Proszę!" aufgefordert, die Wohnung zu betreten. Die Wohnung ist als Büro getarnt und, hinter einem Monitor verschanzt, sitzt eine junge Frau die mir verwundert entgegenstrahlt. In meinem schönsten gebrochenen Polnisch mache ich klar, dass ich in Nummer 8 wohne und gern mein Gas bezahlen möchte. Sie nickt, nimmt mein Geld entgegen und stellt mir einen Schmierzettel mit dem Firmenstempel aus. Quittungen sind scheinbar nicht gebräuchlich. Egal, ich bedanke mich und gehe.
Samstag Mittag klingelt es an meiner Wohnungstür. Ich taumle verschlafen in Unterhose zur Tür und werfe mit schnell noch eine Strickjacke über. Schließlich will ich ja nicht ganz nackt dastehen. Durch einen kleinen Spalt lunsche ich hinter der Tür hervor und sehe eine ältere blonde Dame, die sofort drauflos sprudelt. Sie möchte gern das Gas-Geld kassieren. Ich stammle etwas, was ich für "ich habe gestern schon bezahlt" halte und versuche meine Argumentationskette durch den Schmierzettel zu stützen. Während ich nach der Quittung suche, geht die Tür einen Spalt weiter auf und die ältere Frau sieht mich nun in Unterhose und Strickjacke durch die Wohnung springen. Sie scheint das sehr amüsant zu finden, denn als ich zurückkomme lächelt sie und entschuldigt sich, dass sie mich schienbar geweckt hat. Nachdem ich Ihr lächelnd die Quittung gezeigt habe, versteht sie auch, was ich von ihr will und wir verabschieden uns. Ich beschließe, dass mir diese Szene jetzt nicht peinlich war und springe unter die Dusche.
Samstag Mittag klingelt es an meiner Wohnungstür. Ich taumle verschlafen in Unterhose zur Tür und werfe mit schnell noch eine Strickjacke über. Schließlich will ich ja nicht ganz nackt dastehen. Durch einen kleinen Spalt lunsche ich hinter der Tür hervor und sehe eine ältere blonde Dame, die sofort drauflos sprudelt. Sie möchte gern das Gas-Geld kassieren. Ich stammle etwas, was ich für "ich habe gestern schon bezahlt" halte und versuche meine Argumentationskette durch den Schmierzettel zu stützen. Während ich nach der Quittung suche, geht die Tür einen Spalt weiter auf und die ältere Frau sieht mich nun in Unterhose und Strickjacke durch die Wohnung springen. Sie scheint das sehr amüsant zu finden, denn als ich zurückkomme lächelt sie und entschuldigt sich, dass sie mich schienbar geweckt hat. Nachdem ich Ihr lächelnd die Quittung gezeigt habe, versteht sie auch, was ich von ihr will und wir verabschieden uns. Ich beschließe, dass mir diese Szene jetzt nicht peinlich war und springe unter die Dusche.
Samstag, 31. Januar 2009
Hilfe! Ich platze!
Ich hab mir dieses Wochenende vorgenommen mal (ausnahmsweise) vor die Tür zu gehen. Meine Marklerin Magdalena hat mir damals die Adresse eines Waschsalons per Mail geschickt, den ich heute suchen werde. Er befindet sich in einer Nebenstraße der ul. Wielka, also der Straße zum Büro und ist somit extrem nah. Nachdem ich die ganze Straße 2 Mal abgelaufen bin, zweifle ich am weiteren Bestehen des Waschsalons und beschließe erstmal in die "Stary" (das ist der Spitzname der Deutschen für unsere geliebte Stary Browar) zu gehen und ein paar Einkäufe zu erledigen. Wieder zu Hause schaue ich im Wörterbuch nach: "pralnia samoobslugowa" - der Waschsalon. Da ich auf dem Rückweg von der Stary zur Wohnung den Enschluss gefasst habe, heute Abend mal ordentlich essen zu gehen, gehe ich die Nebenstraße kurz vorher nochmal ab, um nach diesen beiden Wörtern Ausschau zu halten. Leider kein Treffer. Egal, dann suche ich halt nach einem schönen Restaurant, dass nicht zu dunkel und dennoch preiswert ist. Ich hab mir nämlich ein Buch mitgenommen - allein essen zu gehen und die ganze Zeit vor sich hin zu starren ist ja schließlich langweilig. Nach einer längeren Suche im Bereich des Altmarktes lande ich wieder einmal im "Dramat", unserer Stammkneipe. Hier gibt es leckere Pancakes für 15 bis 17 Zloty und englische Speisekarten. Ich nehme ein Pancake mit Hühnchen und Ananas und ein Zywiec, ein polnisches Bier. Das Essen kommt und schmeckt fantastisch - aber so ein Pancake macht extrem satt und ich hab anschließend Probleme mein Bier auszutrinken... Derart vollgestopft mache ich mich auf den langen Weg nach Hause, das heißt ich geh zum Hintereingang des Dramat und schleppe mich in die dritte Etage. Schade, wieder einmal den Bewegungsradius nicht vergrößert. Aber morgen werde ich das zweite Multikino in Poznan suchen, das hab ich nach vier Versuchen immernoch nicht gefunden. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass es morgen was wird. Es könnte aber auch meinen "Leg dich in den Sessel du Arsch, ich brauch Platz zum verdauen."
Donnerstag, 29. Januar 2009
Party Poznan
Alex und Sascha brechen nach Berlin auf. Die deutsche Crowd besteht also aus Ingo, Martin und mir - und die gehen heute schön einen Trinken. Da Martin wieder auf dem Damm ist, will er natürlich auch mitkommen. Wir sind also wieder zu dritt. Nach dem Abendbrot planen wir unser weiteres Vorgehen und somit beginnt der Zersetzungsprozess des Ursprungsplans. Ingo will wegen seinem potenziellen Kater vorsichtshalber doch nicht so viel trinken, stattdessen lieber in der Pivnica Kicker spielen. Martin trinkt ja sowieso nix, will aber nicht in eine Raucherkneipe. Damit fällt Pivnica flach. Eine Nichtraucherkneipe mit Kicker kennen wir nicht, darum als Alternative: Film gucken. Martin will einen Film sehen, den er noch nicht kennt. Damit fällt seine Festplatte flach. Ingo will einen guten Film oder Raumschiff-Zeugs gucken, also fällt meine Festplatte auch flach. Da Martin und ich es aber extrem nerdig finden, nach der Arbeit Raumschiff-Zeugs zu gucken, kommt Ingo's Festplatte auch nicht zum Einsatz. Martin hat noch Gutscheine für Videoload, da müssten wir aber im Büro gucken. Abgelehnt. Letzten Endes kaufen sich Ingo und ich je eine Liter Bier, die wir anschließend zu Hause leeren. Es wird mal wieder fast ausschließlich über die Arbeit geredet, weil wir scheinbar noch keine anderen gemeinsamen Interessen gefunden haben... So langsam komm ich mir mit dem Sauftouren hier verarscht vor. Übernächste Woche ist unsere Einzugsparty geplant. Da wird's sicher genauso lustig, nur dass wir dazu noch polnisches Radio hören.
Mittwoch, 28. Januar 2009
Lagerkoller
Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr aus. Mein Bewegungsradius hier in Poznan ist ca. 500 m. Wenn ich nicht zu Hause oder im Büro rumhänge, bin ich im Tante-Emma-Laden um die Ecke und besorg das Nötigste zu essen. Kein Wunder, warum ich bei diesem Satz von Ingo hellhörig werde: "Nach dem Meeting am Mittwoch gehen wir aber mal schön gepflegt einen trinken." Endlich! Meine Gebete wurden erhört! Doch zu früh gefreut. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Martin und Ingo an diesem Tag unbedingt Vanille-Pudding kochen mussten. Ein ganzer Liter Milch + die geschmachsneutrale Puddingmischung aus dem Promocia ergibt: eine Person weniger auf der Sauftour. Da Martin 750ml von besagtem polnischen Vanillepudding dann doch nicht vertragen hat, verbrachte er den Rest des Abends, ihn auf unterschiedliche Art und Weise wieder los zu werden. Alex hatte einen harten Tag hinter sich gebracht und war müde. Na toll, die beiden Anti-Alkoholiker sind schon mal im Bett, aber wir Alkis waren wenigstens noch zu dritt. Als wir das Bürogebäude verlassen, meint Ingo so beiläufig, dass er aber nur _ein_ Bierchen trinken will, weil er sonst morgen einen hundsmäßigen Kater hat und da ein wichtiger Tag wäre. Sascha pflichtet ihm bei, auch er will nur fix ein Bier trinken und dann nach Hause aufbrechen. Na danke, wegen einem Bier brauch man ja gar nicht erst anfangen. Das ist das ganze Gegenteil von "gepflegt einen Trinken gehen". Wir haben dann in der Pivnica21 jeder ein großes und ein kleines Bier getrunken und sind dann nach Hause zu den anderen gegangen. Mit dem Versprechen, den lustigen Trinkabend morgen nachzuholen.
Dienstag, 27. Januar 2009
Gdzie jest moje pivo?
Nach einem reichlich enttäuschenden Arbeitstag wollte ich es mir gestern Abend mit einem kühlen Bierchen zu Hause gemütlich machen. Von vor 2 Wochen hatten wir noch 2 Zubr im Büro-Kühlschrank. Ich trinke normalerweise nicht allein, aber da die beiden sowieso meine waren, wollte ich mal eine Ausnahme machen... Pustekuchen, beide Zubr weg. Versoffenes Kollegenpack :D
Polnisch fluchen, Teil 1
Ich habe meinen Sonntag abend in Multikino in der Stary Browar verbracht. Zur Auswahl standen 3 Filme: Transporter 3, Underworld und Zwielicht (der andere Vampirfilm). Da ich diesmal mehr Lust auf Aktion hatte, hab ich mich für Transporter 3 entschieden - nebenbei ein grottiger Film mit einer schlechten Handlung, schade eigentlich. In der ersten Szene öffnen zwei Hafenarbeiter einen Container und fallen, nachdem sie "Cholera" gerufen haben, tot um. Ich denke mir: "Ok, die Cholera wird ja des öfteren in Fässern quer um die Welt geschickt... und dann sind die beiden Arbeiter sicherlich auch noch Mediziner und wissen, dass das die Cholera und nicht nur Typhus, Bronchitis oder Schnupfen ist..." Doch dieses Wort tauchte noch mehrfach im Verlauf der Handlung auf und, statt auf den Untertitel zu sehen, hörte ich mir den englischen Originaltext mal genauer an. "Cholera" heißt nichts anderes als "Scheiße" auf polnisch - wieder eine nützliche Vokabel gelernt.
Montag, 26. Januar 2009
Aktion "Besser schlafen"
Ein paar Nächte mag es ja gehen, aber fast die ganze Woche auf einer wackeligen, knarzenden Luftmatratze schlafen ist wirklich nicht das höchste aller Gefühle. Zumal man sich ja nicht mal umdrehen kann ohne fast von dem Teil herunterzufallen. Deshalb verstehe ich auch Alex' Wunsch nach etwas mehr Schlafqualität und wir fahren gemeinsam zu IKEA. Hier wollen wir neben der Billigmatratze auch noch 2 Bilderrahmen und Besteck fürs Büro, eine Fleecedecke und ein paar Tassen für die Wohnung günstig erstehen. Da der Zloty gerade sehr schwach ist, ist es natürlich umso billiger. Nach einem kurzen Probeliegen auf der Matratze mit dem schönen Namen "Jaren" kommen Alex erste Zweifel, ob er darauf wirklich besser schlafen wird als auf der doppelt so hohen Luftmatratze. "Schau mal, sogar der Schonbezug für Jaren ist teurer und annähernd gleich so hoch.", bemerke ich. Letztendlich haben wir Jaren doch gekauft und stehen nun vollbeladen an der Bushaltestelle, von der der kostenlose Ikea-Bus in die Altstadt fährt. Wir müssen noch eine Stunde warten, also beschließen wir in das Carrefour gegenüber zu gehen. Dort will Alex mal wieder nach einem gesunden Müsli schauen. Ich warte draußen in der Passage, da ich ich es unangenehm finde mit dem ganzen Ikea-Gerassel durch den Hypermarkt zu schlürfen. Nach etwa 10 Minuten kommt Alex freudestrahlend von der Kasse. Er hat ein scheinbar gesundes Müsli und orange Plüschhausschuhe in der Hand. "Wehe du diskriminierst mich jetzt wegen der Farbe.", lacht er. "Ich doch nicht. Gab's denn kein flamingo-rosa mehr?" bemerke ich trocken und wir machen uns auf den Weg zurück zur Haltestelle. Da wir immernoch 45 Minuten warten müssen, werfen wir uns in die Lounge von Ikea und starren vor uns hin. Nach einer Viertelstunde kommt ein Wachmann und wirft uns aus dem Laden, denn Ikea hat seit einer halben Stunde geschlossen. In gebrochenem Deutsch erklärt er uns, dass wir gerne morgen ab 10:00 Uhr wieder kommen können, aber hier wäre nun Feierabend. Wir verbingen also die nächste halbe Stunde in der kalten Bushaltestelle und starren dort vor uns hin. Zurück im Büro kleben wir die Teamfotos in die neuen Rahmen und Alex knuspert seelig eine Schüssel mit seinem neuen Müsli. Der Tag ist gerettet.
Lecker Müsli
Alex hat sich für das neue Jahr eine gesündere Ernährung vorgenommen. Zwar gibt es sein Spezialsüppchen (Tütensuppe mit Olivenöl, Mörchen und Jogurt) immernoch jeden Tag, aber ein gesundes Müsli soll den nötigen Ausgleich dafür bieten. Darum steht er auch bei jedem Einkauf im Zabka vor dem Müsliregal und studiert die Inhaltsstoffe. Als Bulgare, der auch fließend russisch spricht, versteht er natürlich wesentlich mehr als ich von dem, was auf der Packung steht. Im Büro merkt er jedoch des öfteren, dass da doch mehr Zucker drin ist als er erwartet hat. Also bei einem Müsli, auf dem ganz groß "Crunch" steht, war das ja wohl zu erwarten, oder? Woher soll denn das Knuspern sonst kommen? Jedenfalls landen diese Müslis nach der ersten Schüssel oft in meinem Fach. Nett gemeint, aber da die Müslis mit der Absicht "gesund" und nicht mit "lecker" gekauft wurden, schmecken sie meist dem entsprechend. Mal schauen, ob ich etwas Leckeres zum Mischen finde...
Mittwoch, 21. Januar 2009
Warmwasser für alle!
Ich hab ganz vergessen zu posten: der Boiler geht wieder! Ich hab also wieder 10 Minuten fließend Warmwasser. Diesmal war's die Heizspirale. Mehr kann an diesem Ding jetzt aber hoffentlich nicht mehr kaputt gehen... Es sei denn der Tank rostet durch, aber wir wollen den Teufel ja mal nicht an die Wand malen ;)
Donnerstag, 15. Januar 2009
Wäsch dich mal reloaded
Es ist doch zum piepen. Keine 4 Tage nachdem Mariusz meinen Boiler repariert hat ist das Teil wieder kaputt. Also rufe ich Anna an, was ich da tun könne. Dummerweise fleigt sie morgen nach Norwegen und ihr Mann kommt erst Übermorgen wieder nach Hause. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Klempner verkündet sie mir freudestrahlen: "Wenn du Glück hast, ist einfach nur nicht genug Wasser im Boiler." Ich prüf das fix nach. Pustekuchen, außer der tollen weißen Verblendung seh ich werder Details vom Boiler selbst, noch dessen Wasserstand. Da das Wasser aber mit hohem Druck aber leider kalt aus dem Boiler schießt, tippe ich auf die Gute alte Verkalkung. Morgen um 9:00 Uhr/ 10:00 Uhr kommt der Klempner. Ich hab mir telefonischen Beistand von Kamila erbeten. Sie hat in Freiberg studiert und spricht daher sehr gut Deutsch. Wir werden zwar morgen zu viert (Ingo und Martin sind diese Woche da) die Handwerker in Empfang nehmen, aber keiner von uns wird ihn verstehen.
Und das nächste Mal: werden meine fettigen Haare je wieder sauber? Und was wird aus meiner sich anbahnenden Erkältung? Wird Tanja Gustav das Ja-Wort geben? Es bleibt spannend...
Und das nächste Mal: werden meine fettigen Haare je wieder sauber? Und was wird aus meiner sich anbahnenden Erkältung? Wird Tanja Gustav das Ja-Wort geben? Es bleibt spannend...
Donnerstag, 8. Januar 2009
Wäsch dich mal
Nachdem ich mein ganzes Gepäck vor Freude über meine Rückkehr vom Bahnhof bis nach Hause getragen habe, freue ich mich auf zwei Sachen: einen leckeren Tee und eine heiße Dusche. Der Tee ist schnell gemacht, nur das mit dem Duschen wird kompliziert. Kalt ist kein Problem, warm hingegen schon. Ich beschäftige mich also den Rest des Abends mit meinem kleinen Boiler, hinten in der Ecke neben dem Klo. Doch ich finde nichts. Als Informatiker weiß ich jedoch was zu tun ist: ein Neustart des Boilers soll das Problem lösen. Also Stecker raus, kurz warten und dann ab dafür... Was bei Windows immer prächtig funktioniert, lässt den Boiler gänzlich kalt. Am nächsten Tag schreibe ich Anna, meiner Vermieterin, eine E-Mail. Prompt am nächsten Tag steht sie mit ihrem Mann Mariusz in meinem Bad und nimmt sich der Sache an. Der Boiler wird leicht auseinandergeschraubt und ein Schalter ausgebaut. Den will Mariusz beim Boilerfachmann nachkaufen. Glücklicherweise ist das nich einmal nötig. Der polnische Boiler-Sachverständige hat Mariusz gezeigt, wie er die Sicherung im Schalter umlegen kann, damit der Boiler wieder seinen Dienst aufnimmt. Sehr schön. Ich kann wieder duschen (nicht zu lang, weil kleiner Boiler) und hab mich in Sachen Sanitärelektronik ein wenig weitergebildet.
Auf nach Polski
Am 5. Januar bin ich wieder mit der Bahn in das schönste Polen der Welt gefahren. Ich hatte schon mit Verspätungen gerechnet, allerdings nicht schon vor der Abfahrt. Der IC nach von Brno an die Ostsee über Berlin kommt erst in 70 Minuten, Motorschaden. Schön. Statt mir am Bahnhof den Hintern abzufrieren, hab ich mich am Service-Punkt nach einer Alternativ-Verbindung erkundigt. Keine halbe Stunde später beginne ich meine Jagdt nach dem Berlin-Warszawa-Express. Statt in Berlin einzusteigen, fange ich ihn in Frankfurt/Oder kurz vor der Grenze ab. Die wilde Hatz beginnt in Dresden, von da aus nach Ruhland und über Cottbus nach Frankfurt/ Oder. Also drei Mal umsteigen. Ich hab 15 Minuten Spielraum für Verspätungen und zum Umsteigen. 10 davon warte ich kurz darauf in einem verschneiten sächsischen Kaff auf den Gegenzug, ohne den mein Zug nich weiterfahren kann. Na super, da ist ja mein Anschluss jetzt schon weg. Doch denkste - die Bahn macht mobil. Alle beiden anderen Anschlusszüge erreiche ich ohne Probleme. Die Regionalbahn von Ruhland nach Cottbus und die von Cottbus nach Frankfurt/Oder warten beide. Das nenn ich doch mal extrem nett. Meine Begeisterung für die Bahn ist ungebrochen.
Nachtrag Weihnachten
Ein Glück, Weihnachten ist vorbei. Ich hab ja prinzipiell nichts gegen Feiertage, aber Weihnachten ist immer sehr anstrengend. Da müssen Geschenke für die Lieben, eine krumme Krüppelkiefer für die Stube, eine Gans für den Backofen und 1000 andere kleine Sachen besorgt und bearbeitet werden. Dazu stinkt es meist noch nach aufgekochtem Billigfusel, der einem beim Diskounter des Vertrauens als Glühwein verkauft wird und nach Tannenduft, Myrre und anderen Abartigkeiten, die kleinen Holzfiguren perverserweise rektal eingeführt werden. Von der Endlosschleife "Last Christmas" mal ganz abgesehen... Besinnlich ist was anderes. Danach kommt auch gleich Silvester, wo man mit Freunden an der Elbe steht und beim Festfrieren mehreren Tausend Euro beim Explodieren zusieht und das Jahr ist passé. Ich will nicht meckern, ich hab ein sehr schönes Weihnachtsfest mit Freunden und Familie in Deutschland verbracht, aber der Trubel darum, überall die gespielte Fröhlichkeit und die 100. Wiederholung russischer Märchen im Fernsehen... das ist doch nicht im Sinne des Weihnachtsfestes, oder?
Info am Rande: Bevor Weihnachten christianisiert wurde haben die Heiden am 21. Dezember die Wintersonnenwende gefeiert. Das wär doch mal was für nächstes Jahr um dem Weihnachtswahnsinn zu entfliehen ;)
Info am Rande: Bevor Weihnachten christianisiert wurde haben die Heiden am 21. Dezember die Wintersonnenwende gefeiert. Das wär doch mal was für nächstes Jahr um dem Weihnachtswahnsinn zu entfliehen ;)
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