Samstag, 14. März 2009

Waschtag

Das Schlimmste im Ausland ist, dass man keine Mutti mehr hat, die einem die Wäsche wäscht. Als ich einen Blick auf meinen Dreckwäscheberg und anschließend in die leere Sockenschublade werfe, beschließe ich die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Samstag ist Waschtag! Vor einiger Zeit habe ich im Internet das Café Pralnia (übersetzt "Café Reinigung") gefunden, das ich heute ausprobieren werde. Bepackt mit einer Ladung Dunklem schlendere ich die ul. Mostowa hinunter und luke vorsichtig zum Eingang des Cafés hinein. Leider oder zum Glück ist hier gar nichts los... Leider, weil ich wirklich der Allereinzige im ganzen Laden bin und zum Glück, weil ich so nicht auf eine freie Waschmaschine warten muss. In einer Ecke klimpert es. Eine junge Frau mittleren Alters stürmt auf mich zu und beginnt einen Redeschwall Polnisch auf mich los zu lassen. "Angielski?", frage ich zögerlich. Sie verneint. Doch irgendwie werden wir schon klar kommen. Ich stopfe meine Sachen in eine freie Trommel und den Rest erledigt die Kellnerin/ Waschfrau für mich. Nun heißt es warten. Während meine Wäsche umhergewirbelt wird, schlürfe ich einen Cappuchino und schmökere Dan Brown's "Digital Frotress" (Diabolous). Nach ca. 10 Minuten merke ich, dass es in dem Laden arschkalt ist und mummel mich wieder in meine Strickjacke ein. Von Zeit zu Zeit springt ein Lüfter mit ohrenbetäubenden Getöse an. Scheinbar soll er davor schützen, dass durch den nicht vorhandenen Wasserdampf das Haus wegschimmelt. Soetwas macht natürlich die ganze Café-Gemütlichkeit kaputt. Nach einer Weile ist der Cappu leer und ich sehne mich nach einer heißen Schokolade und etwas essbaren. Ich begebe mich zur Bar und stelle meine leere Tasse auf den Tresen. Die Kellnerin steht mit dem Rücken zu mir und spritz unentwegt Schokocreme in mehrere kleine Waffelbecher. Manchmal will sich die Creme nicht so wirklich vom Spritzbeutel lösen und sie hilft mit dem Finger nach, den sie anschließend ableckt. Schlagartrig vergeht mir der Appetit und ich schleiche mich zu meinem Tisch zurück. Die Waschmaschine ist fertig und nun dreht die Wäsche ein paar Runden im Trockner. Ich lese weiter und nippe ab und zu zögerlich an meiner heißen Schokolade. Das hatte ich nämlich vergessen: Heiße Schokolade ist in Polen dickflüssig/ puddingartig und Pudding mag ich nicht. Die Kellnerin schaut des öfteren nach, wie es bei der Trocknung voran geht. Beim 4. Mal hält sie mir mein Hemd hin. Ich schnappe mir ein Bügeleisen und lege los. Dann wieder lesen und Schoki "trinken". Schließlich hat sich der Rest meiner Kleidung auch dazu entschieden, trocken zu sein. Nachdem ich meine Socken fein säuberlich zusammengelegt und in meiner Sporttasche verstaut habe freue ich mich wie ein kleiner Schneekönig wenn's schneit. Eine einzelne Socke ist übrig geblieben - ich bin schon ein richtiger Waschprofi.

1 Kommentar:

  1. Was hat denn das Waschvergnügen gekostet ? Ich hab ja mal einen Artikel auf meinem BLog über Copy-Shops in Poznan geschrieben und das ich total überrascht war, das dort die Dienstleister so fleissig sind und es trotzdem unschlagbar billig ist. Im Waschsalon auch ?

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