Samstag, 13. Dezember 2008
Nachtkino
Es ist Freitag und damit Wochenende. Zeit um etwas zu unternehmen. Glücklicherweise ist "Noc Kino", also Nachtkino, in der Stary Browar. Nach kurzem hin und her an der Kasse - ich hab mal wieder nichts verstanden - bin ich plötzlich Inhaber einer Kundenkarte und stehe mit Popcorn und einer großen Fanta im Foyer des Kinos. Yes, die erste Hürde ist geschafft. Da alle Filmtitel auf polnisch sind, ist erstmal rästeln angesagt. Ich schaue auf mein Programmzettelchen und entscheide mich für Kino 8. Irgendwas aus dem Genre "Sensacyjine", also Action... Ich pflanz mich in die Mitte einer hinteren Reihe und beobachte die anderen Gäste. Über die Frauenquote kann man sich heute echt nicht beschweren. Das Licht geht aus, der Film beginnt mit einem Schrei und dem ersten kollektivem Lacher. Der Schrei ist der einer indischen Sängerin und der Lacher ist der erste Gast, der den Saal verlässt - ich. Dummerweise gibt es 2 Multikinos in Poznan und ich hatte mich im Programm verguckt. Jetzt wurde mir auch so einiges klar: der halb leere Saal, der hohe Frauenanteil, das konnte doch nur Bollywood sein... Nachdem ich in ein paar andere Säle reingeschaut habe, bleibe ich bei "Taken" (kommt als "96 Hours" am 19. Februar in die deutschen Kinos) hängen. In diesem Thriller wird die Tochter eines US-Geheimagenten entführt, der sie anschließend aus den Fängen Pariser Menschenhändler rettet. Der Film hat ein Wahnsinnstempo, coole Actionszenen... sehr empfehlenswert. Der zweite Film, den ich mir ansehe ist "Love Vegas". Zwei Fremde, Cameron Diaz und Aston Kutscher, heiraten sich gegenseitig im Suff in LasVegas und knacken "dummerweise" den 3-Millionen-Jackpot. Um an das Geld zu kommen, müssen beide 6 Monate zusammen leben und an einer Paartherapie teilnehmen. Die Story ist ganz witzig erzählt. Für einen kurzweiligen DVD-Abend durchaus empfehlenswert - obwohl ich eigentlich nicht auf Liebeskomödien mit einem kitschigen Ende stehe. Gegen um 3 Uhr nachts fläze ich mich noch in den Rest von "Stirb Langsam 4.0". Zwar hab ich bestimmt eine Stunde vom Film an verpasst, aber heimgehen wollte ich auch noch nicht. Zu dem Film muss ich sagen... ok, die Story ist ja definitiv nicht übel. Ein ehemaliger IT-Sicherheitsexperte der Regierung bricht in ein geheimes Rechenzentrum ein, um die Bankdaten von ganz Amerika zu stehlen. Das ist ja in Zeiten des Buchgeldes durchaus möglich und nachvollziehbar. Aber, dass Bruce Willis 20 Meter in die Tiefe stürzt, die Explosion einer Gasleitung überlebt um anschließend von einer Autobahnbrücke erschlagen zu werden und danach nicht einmal humpelt... Also bitte, das ist zwar extrem cool, aber etwas unwahrscheinlich, oder?
Sonntag, 7. Dezember 2008
Standfest
Seit Tagen herrscht in Poznan diesiges Wetter. Väterchen Frost lässt sich hier auch nicht sehen - die Stadt ist in tristes Herbstwetter getaucht. Um dennoch ein paar schöne Fotos machen zu können, beschließe ich ein Stativ zu erwerben. Im Mega Avans, einer großen Elektronikkette, suche ich nach einem preiswerten Modell für den schmalen Geldbeutel. Ich werde sogar fündig, denn auch in Polen setzt die Firma Hama günstig produzierte Ware aus Asien ab. Für 49,95 Zloty, also etwa 12 Euro, ein wahres Schnäppchen. Die ersten Ergebnisse sind hier zu sehen:







Freitag, 5. Dezember 2008
Zeit für Fastfood
Es ist zum Piepen. Ich ess hier jeden Tag ein ganzes Brot, belegt mit Käse und Fleischpastete. Dazu gibt's ein halbes Kilo Jogurt und Süßkram, aber ich werd nicht satt... Im Gegensatz zu meinen anderen deutschen Kollegen hab ich nichts gegen das polnische Brot. Auch der Käse ist hier exzellent. Aber satt macht mich hier leider nix. Dabei esse ich den ganzen Tag. Heute habe ich beschlossen auf gute internationale Küche zurück zu greifen: McDoof. Und hier lerne ich auch, dass Fastfood nichts mit schneller Küche zu tun hat. Doch zuerst gilt es die Hürde der Bestellung zu nehmen. Zum Glück versteht die Kassiererin was ich mit einem Big Mac Maxi Menü meine. Doch da sie meine 50 Zloty nicht wechseln kann, erstarrt sie zur Salzsäule und wartet mit offener Kasse auf Rettung. Nach ca. 5 Minuten ist es dann so weit. Eine Kollegin bringt ihr neues Wechselgeld und sie gibt mir raus. Nach weiteren 5 Minuten hat sie sogar schon die Pommes in den Papierschuber gefüllt und in einer kleinen McDonalds-Tüte verstaut. Danach nimmt sie liebevoll die Pappbox aus dem Regal, in dem sich der Big Mac befindet und stellt einen Becher unter den Cola-Spender. Ich weiß nicht ob es an Weihnachten lag, aber es ging doch sehr besinnlich zu. Und das obwohl hinter mir 5 Leute warteten... Letzten Endes wurde alles noch sorgsam verpackt. Die Pommes, die in Deutschland schnöde mit einer Serviette abgedeckt werden und dann in eine Tüte wandern, waren ja bereits separat in einer kleinen Tüte verpackt. Die Cola steckte sie sanft in einen Getränkehalter, den ich bisher nur bei McDrive (auf Anfrage!) bekommen habe. Diese beiden Accessoirs gleiten nun in eine große Tragetasche. Den Big Mac hat sie Gott sei dank nicht auch noch in eine kleine Tüte gesteckt, sondern behutsam auf die Tüte mit den Pommes gelegt. Scheinbar hat sie nun gemerkt, dass sie sich vielleicht doch ein wenig beeilen müsste und warf lieblos eine ganze Hand Servietten und einen Strohhalm hinterher. Nachdem sie mir die Tüte über die Theke gereicht hat, halte ich ein Paket von 2 Kilo Papier und 350g Lebensmittel in der Hand. Die Klimakonferenz, die zur Zeit in Poznan stattfindet, hat hier schienbar noch keine Spuren hinterlassen. Guten Appetit. (PS: Satt geworden bin ich auch hiervon leider nicht... ich scheine in Polen einen anderen Stoffwechsel zu haben.)
Montag, 1. Dezember 2008
Stadtrundgang
Man möge mich an dieser Stelle gern für irre halten, aber ja, ich habe meinen Sonntag auf Poznaner Friedhöfen verbracht. Ich wollte eigentlich die Stadt fotografieren, aber das Wetter war dazu mehr als ungeeignet. Es war bewölktes Herbstwetter und jedes Foto wurde trister und grauer als das vorherige. So möchte ich das schöne Poznan auf keinen Fall ablichten. Das sähe ja aus wie die Klischeefotos aus den 1960-er Jahren, wie tiefster Ostblock und Kommunismus. Das würde den Tatsachen einer modernen Stadt ja völlig zu wider laufen. Ich beschließe stattdessen in die Citadella zu gehen, Poznans größtem Park. Auf dem Weg dahin sehe ich einen wunderschönen kleinen Friedhof, eine Art Parkanlage mit Gräbern, und beschließe dort ein paar Fotos zu schießen. Gegenüber dieses Friedhofs steht ein Denkmal, scheinbar den tapferen polnischen Soldaten des 2. Weltkrieges gewidmet. Auch dort finden sich tolle Motive. Nach dieser kleinen Session sind es nur 300m bis zur Citadella. Dort erwartet mich der Garnisionsfriedhof. Ebenfalls ein sehr schönes Motiv für dieses Wetter. Der Rest des Parkes ist eher "langweilig". Auf den großen Wiesen tummeln sich hunderte von Raben. Leider erwische ich keinen für ein gutes Foto.







Am Abend, d.h. kurz nach Sonnenuntergang ist die Innenstadt am schönsten. Das diesige Wetter ist nun egal und die historischen Gebäude werden hübsch angestrahlt. Was gäbe ich jetzt für mein Stativ. Jede Aufnahme verwackelt. So ein Pech. Naja, ich mach das Beste draus und improvisiere.





Den Abend lasse ich dann im Multikino in der Stary Browar ausklingen indem ich mir den neuen James Bond in englisch mit polnischen Untertiteln ansehe. Von diesem Kino kann das Ufa in Dresden noch einiges lernen... Zum Beispiel endlich mal den Ton auf eine ordentliche Lautstärke aufzudrehen, dann machen die Actionszenen nämlich viel mehr Spaß. Spätestens zu Madagaskar 2 bin ich sicherlich wieder hier. Leider ist der auf polnisch synchronisiert. Mal sehen,ob ich dann was verstehe...
Am Abend, d.h. kurz nach Sonnenuntergang ist die Innenstadt am schönsten. Das diesige Wetter ist nun egal und die historischen Gebäude werden hübsch angestrahlt. Was gäbe ich jetzt für mein Stativ. Jede Aufnahme verwackelt. So ein Pech. Naja, ich mach das Beste draus und improvisiere.
Den Abend lasse ich dann im Multikino in der Stary Browar ausklingen indem ich mir den neuen James Bond in englisch mit polnischen Untertiteln ansehe. Von diesem Kino kann das Ufa in Dresden noch einiges lernen... Zum Beispiel endlich mal den Ton auf eine ordentliche Lautstärke aufzudrehen, dann machen die Actionszenen nämlich viel mehr Spaß. Spätestens zu Madagaskar 2 bin ich sicherlich wieder hier. Leider ist der auf polnisch synchronisiert. Mal sehen,ob ich dann was verstehe...
Mir wird ganz warm
Alles begann mit dem Satz "Sonderlich warm ist die Heizung ja nicht." Alex hat immernoch die Hand am Heizkörper und sieht auf das Termostat. Noch am gleichen Tag schreiben wir Anna, unserer Vermieterin, eine E-Mail und fragen, woran das liegen könnte. Damit traten wir eine Lavine los. Anna versprach sich umgehend um das Thema zu kümmern und bot uns für die Zwischenzeit einen Radiator an. Am Sonnabend sollte der Handwerker kommen, von 9 bis ca. 12 Uhr, mitten in der Nacht. Seit ich in Polen wohne, bin ich in alte Verhaltensmuster zurückgefallen. Ich geh spät ins Bett und stehe selten vor 10 Uhr auf. Ein herrliches Leben. Aber ok, Punkt um 8 Uhr falle ich an diesem Sonnabend aus dem Bett, frühstücke und warte auf den Handwerker. Als um 10 Uhr immernoch keiner da ist, beschließe ich noch ein wenig zu schlummern. Ich werd schon hören, wenn jemand klopft. Kurz vor 12 Uhr wache ich auf - hab ich den Handwerker verschlafen? Doch das ganze Haus ist totenstill. Ich hätt die doch gehört, ganz sicher. Ich warte noch bis um 1 Uhr und gehe ins Büro, denn ich hab ich noch 2-3 Sachen zu erledigen.
Es ist mittlerweile Montag und 8 Uhr. Die Klingel am Tor reißt mich auf unangenehme Weise aus dem Schlaf.Ich denke mir noch, dass der Klempner das letzte Mal doch den Türcode wusste während ich den Knopf an der der Gegensprechanlage drücke. Dieser ist scheinbar kaputt, denn es klingelt erneut. Ich beschließe das Gatter selbst zu öffnen. Auf dem Weg durchs Treppenhaus laufe ich dem Klempner in die Arme. Ok, er wusste den Türcode und das Klingeln kam von einer zierlichen jungen Frau, die von meiner die Nachbarin reingelassen wurde. Wieder zurück in meiner Wohnung frühstücke ich und warte ob etwas passiert. Ich höre Bohrmaschinen, klimpernde Rohre aber kein Klopfen an meiner Tür. Nach einer Stunde warten gehe ich ins Büro, denn scheinbar will niemand etwas in meiner Wohnung. Ich kaufe mir im Zabka eine Aufladekarte für mein Handy und rufe zur Sicherheit Anna an. "Wie, der Handwerker ist heute im Haus? War der nicht am Sonnabend da?", fragt sie verwundert. Ich verneine. Sie forscht nach. Rückruf. "Kannst du mal fix nach Hause zur Nachbarin gehen? Dein Typ wird verlangt." - "Kein Problem, ich bin schon unterwegs." Kurz vor der Einganstür ruft Anna erneut an: "Sorry, hat sich schon erledigt. Da es in den anderen Wohnungen zu warm ist, will der Klempner morgen nur etwas Wasser auffüllen. Das sollte dann reichen." Wir verabreden uns für Dienstag Abend, um die Heizung gemeinsam zu prüfen. Ich bin gespannt. Was aus den bereits gebohrten Löchern und dem verlegten Heizungsrohr wird, ich werde es wohl nie erfahren.
Es ist mittlerweile Montag und 8 Uhr. Die Klingel am Tor reißt mich auf unangenehme Weise aus dem Schlaf.Ich denke mir noch, dass der Klempner das letzte Mal doch den Türcode wusste während ich den Knopf an der der Gegensprechanlage drücke. Dieser ist scheinbar kaputt, denn es klingelt erneut. Ich beschließe das Gatter selbst zu öffnen. Auf dem Weg durchs Treppenhaus laufe ich dem Klempner in die Arme. Ok, er wusste den Türcode und das Klingeln kam von einer zierlichen jungen Frau, die von meiner die Nachbarin reingelassen wurde. Wieder zurück in meiner Wohnung frühstücke ich und warte ob etwas passiert. Ich höre Bohrmaschinen, klimpernde Rohre aber kein Klopfen an meiner Tür. Nach einer Stunde warten gehe ich ins Büro, denn scheinbar will niemand etwas in meiner Wohnung. Ich kaufe mir im Zabka eine Aufladekarte für mein Handy und rufe zur Sicherheit Anna an. "Wie, der Handwerker ist heute im Haus? War der nicht am Sonnabend da?", fragt sie verwundert. Ich verneine. Sie forscht nach. Rückruf. "Kannst du mal fix nach Hause zur Nachbarin gehen? Dein Typ wird verlangt." - "Kein Problem, ich bin schon unterwegs." Kurz vor der Einganstür ruft Anna erneut an: "Sorry, hat sich schon erledigt. Da es in den anderen Wohnungen zu warm ist, will der Klempner morgen nur etwas Wasser auffüllen. Das sollte dann reichen." Wir verabreden uns für Dienstag Abend, um die Heizung gemeinsam zu prüfen. Ich bin gespannt. Was aus den bereits gebohrten Löchern und dem verlegten Heizungsrohr wird, ich werde es wohl nie erfahren.
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